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Soviel Zeit…

July 28th, 2003

…ist vergangen, seit ich das letztemal einen Eintrag gemacht habe… Sam hat eine Tochter, Lucy, ein wunderschönes kleines Mädchen, blonde Locken, blaue Augen. Sie ist schon 15 Monate alt und wird von jedem geliebt, der mit ihr zu tun hat. Nur ihren Vater wird sie wohl nicht so bald kennenlernen, denn der hat sich natürlich umgehend darauf besonnen, daß seine Ehe so schlecht doch wieder nicht ist und sich von Sam getrennt, als sie ihm von der Schwangerschaft erzählte. Aber Sam hat es ziemlich gut aufgenommen. Die Schwangerschaft und die Geburt nahmen sie völlig gefangen. Sie ist eine tolle Mutter. Lucy erdet sie, seitdem die Kleine da ist, flippt Sam viel weniger herum und kümmert sich wirklich mit ganzem Herzen um Lucy, ohne sie zu sehr einzuengen.
Ich bin natürlich Babysitter No. 1. Aber so oft bin ich gar nicht dort, denn Sam geht abends kaum weg. Sie hat keine Lust mehr, sich ständig auf die große Liebe vorzubereiten. Wenn sie kommt, ist sie da, das ist ihre neue Devise, mit der sie offenbar gut fährt. Entspannung ist also angesagt.
Bei mir geht es so lala. Darüber schreibe ich später… Grüße an alle, die mein ‘altes’ Tagebuch noch immer lesen.

Also doch…

August 30th, 2001

Es ist passiert. Sam ist schwanger. Sie rief mich heute an, nachdem sie einen positiven Test hatte und teilte mir mit, daß der Vater des Kindes zwar verheiratet ist, sich aber bestimmt sehr freuen wird. Sie will es ihm morgen mitteilen. Ich war für einige Sekunden sprachlos und mußte meine Worte dann sehr sorgfältig wählen. Ihre Naivität ist atemberaubend. Aber ihr Mut auch. Grundsätzlich ist es immer wunderbar, wenn ein neues Menschenleben entsteht, also habe ich ihr natürlich gratuliert und meine Hoffnung ausgedrückt, daß sich die Ereignisse so gestalten, wie sie es sich wünscht. Sie schien sehr erleichtert, wahrscheinlich hat sie eine andere Reaktion erwartet. Doch wer bin ich, ihr zu sagen, was richtig oder falsch ist? Sie ist erwachsen und muß ihre Entscheidungen selbst treffen. Auch dieses Kind, das sich Sam als Mutter auserwählt hat, zeigt viel Mut… Irgendwie f´reue ich mich wirklich… Wenn da nur nicht die leise Befürchtung wäre, daß Sam bald wieder anruft und dann nicht mehr so glücklich ist… Hoffentlich ist der Vater des Kindes sich der Verantwortung auch bewußt. Ich werde morgen sehr an Sam denken…
Mir geht es sosolala. Mehr ab als auf, doch solche Zeiten sehe ich - mit Zweckopitimismus - als Absprungbasis, um wieder nach oben zu kommen. Das Leben ist ein guter Lehrmeister, dieser Spruch stimmt wie so viele Volksweisheiten. Je älter man wird, desto mehr erkennt man, daß man sich am besten flexibel verhält, statt gegen Mauern anzurennen. Gelingt es dann noch, ein Stück Abstand zu sich selbst zu gewinnen,hat man schon fast gewonnen. Und wenn auch nur an Einsicht…

Man lernt nie aus…

August 17th, 2001

Schlimmer kann es nicht mehr kommen? Doch, es kann. Jeder kennt sie, die Menschen, die freundlich lächeln, während sie hinten herum ihre Spielchen treiben. Arme Menschen, stelle ich fest, wenn ich ein wenig Abstand gewonnen habe. Wenn man es nötig hat, mit Intrigen Ziele zu erreichen, kann man nicht sehr viel von seinen eigenen Fähigkeiten halten, nicht wahr? Einen Gewinn habe ich aus solchen Erkenntnissen zusätzlich, indem ich sehe, daß mich meine Intuition, mit der man einen anderen Menschen innerhalb von Sekunden erkennt, nicht getäuscht hat.
Wie ein reinigendes Feuer erlebe ich diese Tage. Der Kern schmilzt nicht in der Hitze, dessen bin ich gewiß. Ich kann plötzlich wieder malen, Gefühle in Farben ausdrücken, und - die Bilder werden nicht schwarz! Also doch ein Sieg, ein Gewinn an Erkenntnissen und die ersten Schritte auf dem unbekannten Weg. Ich gehe weiter…. Bin ich mutig? Ein bißchen Pfeifen wie ein Kind im Keller kann ja nicht schaden…

Sonntag im Regen

August 12th, 2001

Lange nicht geschrieben. Lange nichts von Sam gehört. Das ist ungewöhnlich und beunruhigend. Habe sie angerufen und auf den Anrufbeantworter gesprochen. Hoffentlich meldet sie sich. Marie sieht kein Kind für Sam in den Karten. Ich wünschte, sie behält recht, denn Sam ist nicht ausgeglichen. Ein Kind ist kein Therapeutikum.
Meine Migräne hat sich zurückgemeldet. Ich weiß, was das bedeutet. Sie zwingt mich, mein Innenleben zu betrachten. Keine Ablenkung von außen möglich. Mein Weg führt nicht mehr über ausgelatschte Pfade, das ist mir nicht länger erlaubt. Ich muß mir wohl ein Buschmesser und feste Stiefel kaufen, um aufzubrechen… Nein, lustig ist das nicht. Es wird wehtun, allein seinen Weg zu bahnen durch Unbekanntes, noch nie Wahrgenommenes, nicht Gesehenes. Aber gut, ich kann nicht auf besseres Wetter warten… Ich nehme die Herausforderung an, wie schon so viele zuvor… Der Kopftschmerz scheint bei dieser Entscheidung ein wenig milder zu werden. Ich wußte es doch.

Sam macht mobil…

August 2nd, 2001

Nur ganz kurz heute, habe wenig Zeit. Im Moment bastele ich daran, dem Haus ein neues Outfit zu verpassen. Oder besser In-fit, es geht um die Einrichtung. Mir ist nach hellen Stoffen, weiß, Licht und Luft. Meine Nähmaschine kommt nicht zur Ruhe und rattert protestierend vor sich hin.
Sam spinnt. Man kann es leider nicht anders sagen. Marie und ich hätten sie noch nie verstanden, deshalb möchte sie uns erst einmal nicht sehen. Für einige Zeit. So lange, wie man braucht, um schwanger zu werden? Hoffentlich nicht. Aber Marie und ich sind ihr nicht böse, waren wir nie. Sie muß wissen, was sie tut, sie ist alt genug. Wenn es dann darum geht, die Tränen zu trocknen, sind wir zur Stelle. Oder aufs Baby aufzupassen… Nee, nee, soweit wird Sam nicht gehen. Sie hätte nicht mal Lust, einen Goldfisch regelmäßig zu füttern. Ich melde mich, wenn ich die Stoffmengen verarbeitet habe…Es sei denn, ich fahre noch einmal zu Ikea und hole Nachschub. Dann dauert es länger…

Für Arschi…

July 26th, 2001

Liebe Arschi, Dir würde ich fast ALLES ausleihen!!! Und wegen des gräßlichen Arbeitsplatzes… Halt durch, das ändert sich doch bald… Keine gute Idee, das Gerät auf die Hand fallen zu lassen, wie willst Du dann Deinen Liebsten einölen… mit einer Hand macht das doch gar keinen wirklichen Spaß…
Meinem Fuß geht es schon besser, jetzt habe ich dafür einen veritablen Muskelkater, fühle mich aber schon sehr fit, da ich Muskeln spüre, von denen ich gar nicht wußte, daß es sie gibt -)

Meine Freundin Sam hat den Wunsch geäußert, ein Kind zu bekommen. Von wem ist ihr nicht so wichtig, sie meint, daß sie dann einen Sinn im Leben hat und keinen Mann mehr braucht. Ich fürchte, jetzt dreht sie ganz ab… Gottseidank hat sie die Pille noch nicht abgesetzt, vielleicht können Marie und ich sie noch von ihrer ‘tollen Idee’ abbringen. Ihr verheirateter neuer Freund verspricht ihr noch immer das Blaue vom Himmel, ohne Fakten zu schaffen. Es ist ein Jammer mit Sam, dabei ist sie sonst so klug und hübsch und liebenswert. Ich fürchte, sie muß ihre Lektion noch lernen…

No sports…

July 25th, 2001

Schon immer hegte ich ein tiefes Mißtrauen gegen jede Art von Sport - heute hat es sich wieder einmal bewiesen, daß diese Form der Fitness einfach nichts für mich ist. Da kaufe ich in bester Absicht (und zur Stählung meiner schlaffen Bauchdecke) ein Gerät namens Total Gym (ja, ja, auch ich sehe nachts manchmal Fernseh-Shopping-Sender), und was passiert beim Aufbau? Ich lasse die Hebe-Vorrichtung zwecks Einstellung des Gleitwinkels des Schlittens (oder so ähnlich) fallen, obwohl natürllich ausdrücklich dort steht, daß man sie gut festhalten muß, wenn man die Arretierung löst. Das ganze Teil donnert auf mein Großzehengrundgelenk (falls Ihr nicht wißt, was das ist: Macht es nach, was dann mörderisch anschwillt und so weh tut, daß einem Hören und Sehen vergeht, DAS ist es)
Nun liege ich mit einem Eisbeutel auf selbigem Gelenk auf der Sofa, mein Liebster turnt für seine stählernden Bauchmuskeln und ich schwitze beim Zusehen. So lasse ich mir Sport bestenfalls noch gefallen. Wie lange hält so eine Schwellung? Doch mindestens 6-8 Wochen…

Für O.

July 24th, 2001

Dieser Eintrag gilt O., einem wunderbaren Menschen, der bis zuletzt soviel Wärme. Liebe und Kraft in sich hatte und davon jedem Menschen gab, der sich ihm näherte. Ich hatte das große Glück, ihm besonders nahesein zu dürfen - und dafür werde ich immer dankbar sein. Er hat mich gelehrt, wie man ein schweres Schicksal mit Würde tragen, und daß man zum Schluß trotz aller Pläne und Wünsche loslassen und gehen kann. In meinem Herzen bist Du lebendig… Danke, O.

Abhängen…

July 22nd, 2001

Sponten haben wir beschlossen, ein bißchen Urlaub zu machen. Eine günstige Zeit, so zwischen Untergang und Neubeginn. Bei Sam hat schon etwas Neues begonnen. sie hat einen Mann kennengelernt, Überraschung… Diesmal klingt alles perfekt, bis auf eine Kleinigkeit - er ist verheiratet. Ach, Sam, wirst Du denn nie klüg? Natürlich ist seine Ehe am Ende, und schlafen will er mit seiner Frau auch nicht mher, die alten Geschichten, und immer noch gibt es Frauen, die sich so wenig wert sind, darauf nur zu gern hereinzufallen. Maries Rat, mein Rat - laß ihn sich erst einmal offiziell trennen und schau genau hin - wurde in den Wind geschlagen. Vielleicht gehört er dahin - in den Wind -, jeder Mensch muß seinen Weg gehen, auch wenn man immer wieder über große Berge klettern will, statt einen leichteren Weg zu suchen. Marie, ich bin bereit, wenn die Feiertage kommen und der Herr sich um seine Familie kümmern muß, weil die Gattin sonst mit Nervenzusammenbrüchen droht, und weil die Verwandtschaft gekränkt wäre…
Danke Kisi, für Dein Angebot, mir meinen Traum realistischer zu machen. Schreib doch in Dein Tagebuch über Dein Leben - es interessiert bestimmt viele. Hat Dich die Liebe nach Griechenland verschlagen? Bist Du glücklich? Ich bin klar genug um zu wissen, daß es sicher kein bequemes Leben ist, denn immer wenn die Natur die Regeln diktiert, hat man sich anzupassen. Selbst wenn ich nie Olivenbäuerin werden sollte, so liebe ich diese doch sehr, ebenso das Öl, und gekocht wird bei mir ohnehin italienisch - wenn gekocht wird.
Mein Liebster und ich verbringen die Tage im Moment in einem Dahingleiten, wir lassen die Seele baumeln, versuchen alles, was es an Problemen gibt, ein wenig auszuklammern aus unserem Denken. Wir wissen, daß es bald wieder aufwärtsgeht, daß wir die Kräfte dafür neu bündeln müssen, denn es kommt viel Arbeit auf uns zu… Ein gutes Gefühl, an sich, aber wir spüren auch, daß wir zu lange keinen Urlaub gemacht haben. Wie im Buch ‘ Die Wolfsfrau’ von Clarissa Estes bin ich zulange nicht ‘abgetaucht’, nach Hause gegangen… Ein Buch übrigens, daß ich jeder empfehle, ob jung oder alt. Unglaublich stark.
Heute ist Sonntag, ich bin früh aufgewacht. Die Träume sind noch unruhig, befassen sich mit Beruf und neuen Ideen. Ich gebe dem nach, versuche nicht, krampfhaft noch eine Stunde zu schlafen. Die erste Zigarette, die erste Tasse Kaffee, mein Liebster im Tiefschlaf, eine sehr friedvolle Stunde. Gern lasse ich mich von dem überraschen, was der Tag mir bringen wird. Um dann später davon zu berichten. Ich wünsche allen, die das hier heute lesen, daß sie auch ein Stück Frieden in sich finden und sich beschützt fühlen…
Bevor das in eine Predigt ausartet… bis demnächst…

Chaos

July 14th, 2001

In den letzten Tagen brach das Chaos über mich herein. Beruflich, privat und auch in jeder anderen Hinsicht stehe ich wieder mal, wie so oft in meinem Leben, vor dem kompletten Desaster. So schnell kann das gehen! Aufzählen kann ich es nicht, denn dann rufe ich die schlechten Schwingungen zurück, die mich herumgewirbelt haben. Gerade verziehen sich die Staubwolken, ich kann wieder einigermaßen klarsehen.
Die Hose ist super geworden, Marie Curie, das ist die gute Nachricht. Meiner lieben Freundin geht es auch einigermaßen, sie übt das Single-Leben und kommt damit zurecht. Die Olivenbäuerin - bzw. der Traum von der Toskana - muß jetzt vorläufig dort bleiben, wo sie bisher auch lebte, in meiner Phantasie. Dafür habe ich mir wieder einen Atelierraum eingerichtet und werde ein Mammutwerk in Angriff nehmen. Die Leinwand (2×3 Meter) ist bestellt. Darüber hoffe ich mich neu ordnen zu können. Denn die Karriere, gerade noch strahlend am Firmament sichtbar, hat einen echten Crash hingelegt. Freier Fall, sozusagen. Passiert nicht das erste Mal, deshalb bin ich wohl einigermaßen gefaßt. Mein Liebster ist ebenso betroffen davon, nun sammeln wir die Kräfte und starten nichtsdestotrotz neu durch. Wenn man an etwas glaubt, wird es irgendwann zur Realität. Soviel für heute - mir ist mehr nach Taten als nach Worten…