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Sorry, sagt Sam

Genau. Eigentlich wollte sie mit mir einen feuchtfröhlichen Abend verbringen. Meine Freundin Sam (bürgerlich Susanne, aber Sam klingt mystischer, sagt sie). Ich mich gecremt und gesalbt und in Schale geworfen, da kam der Anruf. Sorry, sagt Sam, aber Mark hat heute abend Zeit, mit mir über unsere Beziehung zu sprechen.
Toll. Kein Fußball heute, Mark? Na, ist Sams Sache. Sie ist mit sieben Meter Literatur über Beziehungen bestens für so ein Gespräch gerüstet. Wie es ausgeht, wissen wir alle. Bei Sam ist es immer so. Sie hat nur solche Typen, bei denen sie ihre Psycho-Bücher ständig ergänzen kann. Bindungsangst. Frühkindliches Trauma. Oder so ähnlich. Marie, unsere Tarot-kundige Freundin, hat ihr heute eine leidenschaftliche Begegnung vorausgesagt. Wobei sie nicht Mark gemeint haben kann. Sonst müßte sie dringend ihre Karten erneuern.
Ich bleibe auch lieber zu Hause. Mein Kleid klemmt. Ich hatte es vor vier Wochen zuletzt an, aber seitdem muß es eingelaufen sein. Die hohe Luftfeuchtigkeit im Schrank, jetzt im Sommer. An andere Grunde denke ich lieber nicht.
Ich werde mich also in einem wundervoll weiten Seidenhemd auf dem Sofa drapieren und mir den Film Brot und Tulpfen auf DVD anschauen. Eine Hausfrau, die aussteigt. In Italien lebt. Wunderbar…
Italien. Fünf Jahre war ich nicht da. Unfaßbar. Aber ich werde eines Tages dort ein Häuschen haben, in der Toskana. Ich weiß es. Jeder träumt davon, der bei Verstand ist und täglich diese Marionetten, die unsere Regierung bilden, in den Nachrichten sieht. Und das Wetter ist sowieso ein Grund. Ich bin sicher, daß es so sein wird. Wieso? Weil ich meinen Wunsch ans Universum geschickt habe. Klappt immer. Zuerst waren meine Wünsche natürlich auch bescheidener. Aber langsam denke ich, wer klein denkt, bekommt auch nur klein. Woher sollen die dort oben wissen, daß man bereit ist für das Große, Wahre? Na also. Ich schreibe dann von dort weiter. Als Olivenbäuerin mit künstlerischen Talenten oder wie auch immer. Wird sich finden…
Gerade schaut mir mein Liebster über die Schulter. Ich habe mehr Glück als Sam. Er mag keinen Fußball. Auch kein Tennis. Nur seinen Computer, und mich. Hoffe ich. Weiß ich.
Er nimmt meine Toskanaträume natürlich nicht ganz ernst. Aber vorsichtshalber hat er schon mal gesagt, daß wir dort auf jeden Fall Strom haben müßten. Wegen des Internets. Hah. Dabei kennt er doch meine Hellsicht.
Küßchen. Nein, diesen Gedanken hatte ich gerade nicht. Aber fühlt sich gut an. Er zieht den Reißverschluß meines Kleides herunter. Ich kann wieder atmen…
Naja, den Film kann ich mir ja auch später anschauen.

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